Beim Leben meiner Schwester

Mein normales Beuteschema bei Büchern sind Thriller, Fantasy, manchmal Verschwörungen oder Historisches, ab und zu etwas Lustiges. Warum ich im Tauschspiel bei Tauschticket bei “Beim Leben meiner Schwester” von Jodi Picoult zugegriffen habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Irgendwie klang die Geschichte aber interessant.

Achtung: Dieser Text ist nichts für allzu zart besaitete Gemüter.

Anna ist 13, ihre Schwester Kate ungefähr drei Jahre älter – und seit vielen Jahren an Krebs erkrankt. Ihre Eltern haben aus den vielen künstlich befruchteten Eizellen die ausgewählt, die quasi ein idealer Spender für Kate sein würde – Anna. Schon zum Zeitpunkt ihrer Geburt spendet sie Blut aus der Nabelschnur. Mit drei Jahren Blut. Mehrfach. Kurz darauf braucht ihre Schwester Knochenmark. Immer wieder liegt sie selbst im Krankenhaus, um ihrer Schwester ein Überleben zu ermöglichen. Jetzt braucht Kate eine Niere. Und Anna verklagt ihre Eltern, damit sie diese Niere nicht spenden muss.

Die Geschichte wird von allen Beteiligten erzählt, neben Anna und Kate kommen auch ihr älterer Bruder Jesse (der mit seinen Problemen kämpft), ihre Eltern, Annas Anwalt und die Verfahrenspflegerin zu Wort. So gelingt eine echte Meisterleistung: Niemand wirkt absolut egoistisch oder lieblos, alle haben liebenswerte Eigenschaften. Und alle haben ihre eigene Motivation für ihr Handeln.

Diese Motivation ist auch das zentrale Thema des Buchs, das übrigens wohl auf keiner wahren Begebenheit beruht, wenn ich richtig informiert bin, denn sie ist es, über die alle eigentlich immer reden. Außerdem geht es natürlich um Schwestern, um Krankheit und Leid, um Familie und Freundschaft. Und auch darum, ob ein 13jähriges Mädchen Entscheidungen alleine treffen kann.

Das Ende habe ich so nicht kommen sehen – und weil ich irgendwie immer in das gerade aktuelle Buch “hineingesaugt” werde, habe ich auch geweint. Ein trauriges Ende. Aber das Buch hat mich gefesselt, ich konnte es kaum aus der Hand legen und habe auch nach 24 Stunden noch kein neues Buch so richtig ernsthaft angefangen. “Beim Leben meiner Schwester” ist sicher keine leichte Kost. Es ist aber auch kein nur trauriges Buch – zwischendurch sind immer wieder Szenen, bei denen ich schmunzeln musste. Ich denke, das Buch wird mich noch eine Weile beschäftigen. Obwohl ich zunächst dachte, ich würde es wieder vertauschen, hat es sich jetzt einen dauerhaften Platz in meinem Regal erobert.

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Eine Antwort zu “Beim Leben meiner Schwester”

  1. Ruthy sagt:

    Das wär dann für mich ein Buch, daß ich nur abends im Bett lesen dürfte -ich leide bei Büchern emotional immer sehr mit, und wenn ich hundertmal weiß, daß es “nur” eine Geschichte ist.
    Liebe Grüße, Ruth, die das Fetzenmuster auch sehr gerne mag